Warum Du Dich nach Heißhunger oft wie eine Versagerin fühlst

kaffeetasse mit keksen - warum fühlst du dich nach heisshunger als versagerin

Der Heißhunger dauert oft nur wenige Minuten.
Das schlechte Gewissen danach, manchmal Tage.

Nicht die Schokolade, die Kekse oder die Chips tun am meisten weh.
Es sind die Gedanken danach.

„Schon wieder nicht geschafft.“
„Warum bekomme ich das einfach nicht hin?“
„Ich bin einfach eine Versagerin.“
„Mit mir stimmt etwas nicht.“

Das Tragische daran ist: Die meisten Frauen leiden nicht nur unter dem Heißhunger. Sie leiden vor allem unter dem Urteil, das sie danach über sich selbst fällen.

Und genau dieses Urteil hält den Kreislauf oft am Leben.

Warum Heißhunger so schnell Schuldgefühle auslöst

Die meisten Frauen ärgern sich nach einer Heißhungerattacke nicht nur über das Essen.
Sie ärgern sich über sich selbst.
Sie werfen sich fehlende Disziplin vor. Sie nehmen sich vor, morgen endlich konsequent zu sein. Und sie fragen sich, warum sie es einfach nicht schaffen.

Diese Gedanken entstehen nicht zufällig.

Viele von uns sind mit der Überzeugung groß geworden, dass Essen eine Frage der Willensstärke ist.
Wer abnimmt oder schlank bleibt, gilt als diszipliniert.
Wer Heißhunger hat oder mehr isst als geplant, gilt schnell als undiszipliniert oder willensschwach.

Dazu kommen oft Jahre voller Diäten, Verzicht, Regeln und guter Vorsätze. Immer wieder beginnt der Versuch, alles richtig zu machen.
Und immer wieder das Gefühl, versagt zu haben.

Kein Wunder also, dass nach einer Heißhungerattacke nicht nur Schuldgefühle auftauchen, sondern auch Selbstzweifel.

Wenn Du jahrelang gehört hast, dass Erfolg beim Abnehmen nur von Deiner Disziplin abhängt, überrascht es nicht, dass irgendwann dieser Gedanke entsteht:
„Wenn es bei mir nicht funktioniert, muss ich das Problem sein.“

Und genau das tut so weh.

Heißhunger hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun 

Nach einer Heißhungerattacke versuchen viele Frauen beim nächsten Mal einfach konsequenter zu sein.
Sie nehmen sich vor, mehr Disziplin zu haben. Weniger zu naschen. Stärker zu sein.

Wenn Du glaubst, dass Heißhunger ein Zeichen von Schwäche ist, scheint mehr Willenskraft schließlich die richtige Lösung zu sein.

Doch genau hier liegt der Denkfehler.

Disziplin kann Dich vielleicht eine Zeit lang davon abhalten, etwas zu essen. Sie löst den Heißhunger jedoch nicht auf. Meist wird er nur unterdrückt – bis er sich später umso stärker bemerkbar macht.

Der Grund dafür ist einfach: Disziplin verändert nicht das, was den Heißhunger ausgelöst hat.

Heißhunger ist deshalb kein Zeichen dafür, dass mit Dir etwas nicht stimmt.
Oft ist er vielmehr ein Hinweis darauf, dass etwas in Dir gerade Aufmerksamkeit braucht.

Was Heißhunger Dir eigentlich sagen möchte und welche emotionalen Ursachen dahinterstecken, erfährst Du in meinem Artikel Heißhunger ohne Hunger – Die emotionalen Ursachen, die kaum jemand kennt.

Genau dort beginnt Veränderung. Nicht durch mehr Disziplin, sondern durch Verstehen.

Weggabelung im Wald
Du darfst dich bewusst entscheiden: Disziplin und Kampf oder Verständnis und Veränderung

Heißhunger ist oft mehr als nur Hunger

Wenn Heißhunger keine Frage der Disziplin ist, was steckt dann dahinter?

Er entsteht selten einfach aus dem Nichts.
Oft ist er ein Zeichen dafür, dass Dein Körper oder Deine Gefühle gerade nach etwas anderem verlangen als nach Essen.

Vielleicht war der Tag besonders stressig.
Vielleicht hast Du Deine eigenen Bedürfnisse den ganzen Tag hinten angestellt.
Vielleicht hast Du etwas heruntergeschluckt, das Dich eigentlich beschäftigt.
Vielleicht bist Du einfach erschöpft und sehnst Dich nach einer kleinen Pause.

Die Auslöser können ganz unterschiedlich sein. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das Essen zu schauen, sondern auf das, was vorher passiert ist.

Heißhunger ist oft nur das sichtbare Symptom. Die eigentlichen Ursachen liegen häufig viel tiefer. → Warum Du emotional isst, obwohl Du es besser weißt

Warum Dein Verhalten Sinn ergibt

Wenn Du jahrelang gegen Deinen Heißhunger gekämpft hast, ist es verständlich, dass Du irgendwann an Dir selbst zweifelst.

Wahrscheinlich hast Du schon unzählige Male versucht, Dich zusammenzureißen. Du hast Diäten gemacht, Regeln aufgestellt und Dir immer wieder vorgenommen, konsequent zu bleiben.
Und jedes Mal, wenn es nicht geklappt hat, hast Du gedacht, Du hättest versagt.

Dabei hast Du nie versagt.

Du hast lediglich versucht, ein Problem an der falschen Stelle zu lösen.
Das macht Dich nicht schwach. Es macht Dich menschlich.

Dein Essverhalten hat sich nicht von heute auf morgen entwickelt. 
Es ist über viele Jahre entstanden, geprägt von Erfahrungen, Gewohnheiten und dem Versuch, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Deshalb ergibt Dein Verhalten Sinn.

Das bedeutet nicht, dass Du Dich damit abfinden musst.
Aber es bedeutet, dass Du aufhören darfst, Dich dafür zu verurteilen.

Was sich verändert, wenn Du aufhörst, gegen Dich zu kämpfen

Vielleicht hast Du all die Jahre nicht gegen den Heißhunger gekämpft, sondern gegen Dich selbst.
Genau das könnte der Grund sein, warum so vieles nicht funktioniert hat.

Selbstkritik verändert den Heißhunger nicht.
Verständnis kann es.

Studien aus der Selbstmitgefühlsforschung zeigen, dass ein freundlicher und verständnisvoller Umgang mit sich selbst Veränderungen eher unterstützt als harte Selbstkritik.

Veränderung beginnt nicht, wenn Du den Heißhunger bekämpfst.
Sie beginnt in dem Moment, in dem Du aufhörst, gegen Dich selbst zu kämpfen.

Denn erst dann entsteht Raum für Verständnis. Und aus Verständnis kann Veränderung wachsen.

Frau nachdenklich mit Kaffeetasse - Verstaendnis statt   Kampf
Was versucht mir mein Heißhunger eigentlich zu sagen?

Ein erster Schritt, um Deinen Heißhunger besser zu verstehen

Beim nächsten Heißhunger musst Du nicht gleich alles anders machen.
Vielleicht reicht es schon, Dir für einen Moment diese eine Frage zu stellen:

„Was brauche ich gerade wirklich?“

Verständnis verändert mehr als Selbstkritik.
Und genau darin beginnt ein neuer Weg.

Wenn Du Deinen Heißhunger endlich besser verstehen möchtest und Dir einen liebevolleren Umgang mit Dir selbst wünschst, begleite ich Dich in meinem Minikurs „Raus aus dem Heißhunger-Kreislauf“. Dort gehen wir gemeinsam den nächsten Schritt – ohne Verbote und ohne Schuldgefühle.

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